Räumungsübung im Herbst rechtssicher planen: Pflichten nach ArbStättV, Ablauf der Evakuierung, typische Schwachstellen, Protokollvorlagen und Nachbereitung für Office Manager.
Räumungsübung im Herbst: den jährlichen Ernstfall rechtssicher planen, durchführen und dokumentieren

1. Rechtlicher Rahmen und Rolle des Office Managements im Herbst

Herbst ist im deutschen Büroalltag die pragmatischste Zeit, um eine Räumungsübung im Büro mit klarer Pflicht und strukturiertem Ablauf zu organisieren. In vielen Unternehmen werden Evakuierungsübungen jedoch verschoben, obwohl Arbeitgeber nach der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und der zugehörigen Arbeitsstättenregel ASR A2.3 verpflichtet sind, in angemessenen Zeitabständen eine Übung zur Evakuierung durchzuführen. Wer als Office oder Facility Manager die Planung und Vorbereitung übernimmt, kann aus einer vermeintlichen Pflichtübung ein wirksames Element des betrieblichen Brandschutzes machen.

Die rechtliche Pflicht zur Räumung ergibt sich aus der Verantwortung des Arbeitgebers für Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter im Gebäude, ergänzt durch Vorgaben aus dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und der DGUV Information 205-033 zum organisatorischen Brandschutz. Diese DGUV Information konkretisiert, wie eine Evakuierungsübung vorbereitet und wie eine Evakuierung mit klarer Alarmierung, definierten Fluchtwegen und Notausgängen sowie einem belastbaren Flucht- und Rettungsplan ablaufen soll. Für Office Manager bedeutet das: Sie können nicht nur auf Brandschutzbeauftragte verweisen, sondern müssen die Planung, Durchführung und Dokumentation der Übung aktiv steuern.

Im Fokus stehen dabei immer die anwesenden Personen, nicht die Theorie auf dem Papier. Eine Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf nach Norm ist erst dann wirksam, wenn alle Mitarbeiter wissen, wie sie sich während der Evakuierung verhalten sollen und welche Personen im Betrieb als Brandschutzhelfer und Räumungshelfer benannt sind. Rechtssicherheit entsteht, wenn die Übung durchgeführt, bewertet und revisionssicher dokumentiert wird – nicht die Vorlage zählt, sondern das gelebte Protokoll.

1.1 Gesetzliche Grundlagen und angemessene Zeitabstände

Die ArbStättV fordert, dass der Arbeitgeber Arbeitsstätten so betreibt, dass eine schnelle Evakuierung jederzeit möglich ist. Die ASR A2.3 spricht von angemessenen Zeitabständen für Evakuierungsübungen, ohne ein fixes Intervall zu nennen, während die DGUV Information 205-033 als Empfehlung für eine Übung pro Jahr im Büro gilt. Für Office Manager ist diese Kombination aus Pflicht und Empfehlung ein klarer Rahmen, um die jährliche Übung im Herbst fest im Kalender zu verankern.

Gerade in größeren Gebäuden mit mehreren Mietern oder Standorten sollten Sie die Planung und Durchführung der Räumungsübung mit der Hausverwaltung, dem Brandschutzdienstleister und gegebenenfalls der örtlichen Feuerwehr abstimmen. So können Sie sicherstellen, dass die Alarmierung zur Evakuierung nicht mit anderen betrieblichen Tests kollidiert und dass die Fluchtwege und Notausgänge im gesamten Gebäude nutzbar sind. In gemischt genutzten Objekten können gemeinsame Evakuierungsübungen sinnvoll sein, wenn alle Unternehmen im Haus ihre Mitarbeiter rechtzeitig informieren.

Die Pflicht zur Evakuierungsübung gilt nicht nur für klassische Büros, sondern für alle Arbeitsstätten, in denen Personen anwesend sind. Office Manager sollten deshalb auch temporäre Arbeitsplätze, Projektflächen oder Co-Working-Bereiche in die Planung und Vorbereitung einbeziehen, damit während der Evakuierungsübung niemand vergessen wird. Wer die Räumungsübung vorbereitet, sollte die Vorgaben aus der ArbStättV, der DGUV Information und dem eigenen Brandschutzkonzept in einer kompakten Checkliste zusammenführen.

1.2 Verantwortung, Rollen und Schulung der Mitarbeiter

Im Alltag verschwimmt oft, wer im Unternehmen für die Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf tatsächlich verantwortlich ist. Formal bleibt der Arbeitgeber in der Pflicht, praktisch landen Planung und Durchführung aber meist beim Office oder Facility Management, das die Schnittstelle zwischen Gebäudetechnik, Brandschutz und Belegschaft bildet. Diese Rolle verlangt klare Zuständigkeiten, dokumentierte Vertretungsregelungen und eine enge Abstimmung mit dem Brandschutzbeauftragten.

Für eine wirksame Übung zur Evakuierung brauchen Sie benannte Brandschutzhelfer und Räumungshelfer, die Sie regelmäßig schulen und in angemessenen Zeitabständen auffrischen lassen. Die DGUV Information und die ASR A2.2 empfehlen, mindestens fünf Prozent der Mitarbeiter als Brandschutzhelfer auszubilden, was in größeren Büros schnell mehrere Personen pro Etage bedeutet. Office Manager sollten diese Personen in einer aktuellen Liste führen, in Excel oder einer BGM-Software pflegen und vor jeder Übung prüfen, ob alle anwesenden Personen ihre Rolle kennen.

Schulen Sie Mitarbeiter nicht nur theoretisch, sondern mit konkreten Szenarien für den eigenen Betrieb. In der Vorbereitung der Evakuierungsübung können kurze Unterweisungen in Teams, ein Lageplan mit Flucht- und Rettungsplan im Intranet und ein klarer Ablauf der Evakuierungsübung helfen, Unsicherheiten abzubauen. Während der Evakuierungsübung zeigt sich dann, ob die Schulung wirksam war oder ob Sie in der Nachbesprechung und Auswertung nachsteuern müssen.

2. Planung, Szenario und Ablauf der Räumungsübung im Büro

Eine professionelle Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf beginnt nicht mit der Sirene, sondern mit der Planung und Vorbereitung mehrere Wochen vorher. Legen Sie zunächst das Szenario fest: Brand in der Teeküche, Rauchentwicklung im Serverraum oder eine Evakuierung wegen eines externen Ereignisses im Gebäude. Dieses Szenario bestimmt, welche Fluchtwege und Notausgänge genutzt werden, welche Personen besondere Unterstützung brauchen und wie die Alarmierung zur Evakuierung technisch ausgelöst wird.

In der Planung und Durchführung sollten Sie einen Sammelplatz definieren, der auch im Herbst bei Regen oder Wind praktikabel ist und ausreichend Platz für alle anwesenden Personen bietet. Prüfen Sie, ob der Flucht- und Rettungsplan im Gebäude aktuell ist, ob alle Fluchtwege und Notausgänge frei sind und ob die Beschilderung gut sichtbar bleibt, auch wenn Türen offenstehen oder Möbel verrückt wurden. Für die Praxis lohnt sich ein kurzer Begehungstermin mit dem Hausmeister, dem Sicherheitsdienst und einem Brandschutzhelfer, um Stolperfallen vor der Übung zu beseitigen.

Gerade in Büros mit hoher Belegung sollten Sie die Räumungsübung vorbereitet angehen und die Belegung pro Etage kennen. Nutzen Sie dafür vorhandene Daten aus Zutrittskontrollsystemen, Besucherlisten oder Desk-Sharing-Tools, um die Zahl der Personen pro Bereich realistisch zu schätzen. So können Sie während der Evakuierungsübung besser bewerten, ob alle Bereiche geräumt wurden und ob die Sammelplätze ausreichend dimensioniert sind.

2.1 Angekündigte oder unangekündigte Übung und technische Alarmierung

Office Manager stehen oft vor der Frage, ob die Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf angekündigt oder unangekündigt stattfinden soll. Eine angekündigte Übung zur Evakuierung ermöglicht eine bessere Vorbereitung der Mitarbeiter, reduziert Panik und erleichtert die Abstimmung mit Kundenbesuchen oder wichtigen Terminen. Unangekündigte Evakuierungsübungen zeigen dagegen realistischer, wie sich Personen im Ernstfall verhalten und ob die Alarmierung zur Evakuierung überall wahrgenommen wird.

In vielen Unternehmen hat sich ein hybrider Ansatz bewährt: Der Zeitraum im Herbst wird angekündigt, der genaue Tag und die Uhrzeit bleiben offen, sodass die Übung durchgeführt werden kann, ohne den Betrieb unverhältnismäßig zu stören. Wichtig ist, dass die technische Alarmierung – ob über Brandmeldeanlage, Sprachalarmierung oder manuelle Auslösung – vorher getestet und mit dem Dienstleister abgestimmt wird. Dokumentieren Sie, wie lange es vom Auslösen der Alarmierung bis zum Beginn der Räumung dauert, denn diese Zeit fließt später in die Bewertung ein.

Nutzen Sie die Gelegenheit, um auch alternative Kommunikationswege zu testen, etwa E-Mail-Benachrichtigungen, Microsoft Teams-Nachrichten oder Hinweise auf Info-Screens im Gebäude. So können Sie prüfen, ob alle Mitarbeiter, inklusive Besucher und externe Dienstleister, die Evakuierungshinweise verstehen. Gerade in mehrsprachigen Belegschaften sollten Sie Piktogramme und klare Symbole im Flucht- und Rettungsplan einsetzen, damit während der Evakuierungsübung keine Missverständnisse entstehen.

Ein oft unterschätzter Aspekt der Planung ist die Organisation der Infrastruktur am Sammelplatz. Denken Sie an wetterfeste Kennzeichnung, gegebenenfalls an einfache Ausstattung wie einen mobilen 120-Liter-Abfallbehälter für Einwegbecher oder Einmalponchos, wie sie im Kontext eines effizienten Gebäudemanagements bei der Optimierung von Entsorgungslösungen beschrieben werden, etwa in diesem Beitrag über einen Mülleimer mit 120 Litern Volumen im Büromanagement. Solche Details wirken banal, erhöhen aber die Akzeptanz der Übung, wenn Mitarbeiter nicht frierend und unorganisiert auf dem Parkplatz stehen. Wer hier vorausschauend plant, zeigt, dass Sicherheit und Arbeitskomfort zusammengehören.

2.2 Konkreter Ablauf der Evakuierungsübung und Rollenverteilung

Der Ablauf der Evakuierungsübung sollte vorab schriftlich festgelegt und allen Schlüsselpersonen zugänglich gemacht werden. Startpunkt ist die Alarmierung zur Evakuierung, die klar erkennbar und unmissverständlich sein muss, damit alle Personen im Gebäude wissen, dass jetzt eine Übung oder ein Ernstfall läuft. Direkt nach der Alarmierung beginnt die Räumung, bei der die Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlassen, persönliche Gegenstände liegen lassen und den gekennzeichneten Fluchtwegen zu den Notausgängen folgen.

Brandschutzhelfer und Räumungshelfer übernehmen während der Evakuierungsübung definierte Aufgaben: Sie kontrollieren Büros, Besprechungsräume, Sanitärbereiche und Nebenräume, schließen Türen hinter sich und melden am Sammelplatz, ob der ihnen zugewiesene Bereich geräumt ist. Office Manager sollten für diese Rollen eine einfache Checkliste bereitstellen, die Raumbezeichnungen, Besonderheiten wie barrierefreie Zugänge und die Zahl der typischerweise anwesenden Personen enthält. So wird die Durchführung der Evakuierungsübung strukturiert und nachvollziehbar, auch wenn spontan Vertretungen einspringen müssen.

Am Sammelplatz erfolgt die Vollständigkeitskontrolle, idealerweise mit vorbereiteten Listen oder einer digitalen Lösung, etwa einer Excel-Tabelle auf einem Tablet. Hier zeigt sich, ob die Planung und Vorbereitung realistisch waren oder ob Personen fehlen, weil sie im Homeoffice, auf Dienstreise oder bei Kunden sind. Diese Abweichungen sollten Sie in der späteren Bewertung dokumentieren, um bei der nächsten Übung gezielter zu planen.

3. Typische Schwachstellen, Bewertung und Nachbesprechung

In der Praxis scheitert eine Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf selten an der Technik, sondern an menschlichen Routinen. Häufig bleiben Mitarbeiter am Arbeitsplatz sitzen, weil sie die Alarmierung für einen Fehlalarm halten oder „nur noch schnell die E-Mail fertig schreiben“ wollen. Genau hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Mitarbeiter vor der Übung zu schulen und klar zu kommunizieren, dass jede Evakuierungsübung wie ein Ernstfall zu behandeln ist.

Ein klassischer Schwachpunkt sind verstellte Fluchtwege und Notausgänge, etwa durch Aktenwagen, Pflanzenkübel oder temporär abgestellte Lieferungen. Office Manager sollten deshalb regelmäßige Begehungen einplanen und die Einhaltung der Flucht- und Rettungswege als festen Punkt im Facility-Reporting verankern. Die Bewertung der Übung sollte dokumentieren, wo Fluchtwege blockiert waren, welche Türen klemmten und ob die Beschilderung im Gebäude aus allen Blickwinkeln gut erkennbar war.

Auch die Ausstattung in Sanitär- und Sozialbereichen spielt eine Rolle, weil sich dort während der Evakuierungsübung oft Personen aufhalten, die den Alarm zunächst nicht wahrnehmen. Wer im Rahmen eines ganzheitlichen Büromanagements ohnehin über Themen wie die Auswahl der passenden Handtuchrolle im Büroalltag nachdenkt, sollte gleichzeitig prüfen, ob in diesen Räumen Flucht- und Rettungspläne hängen und die Alarmierung gut hörbar ist. So verbinden Sie Alltagsorganisation mit Sicherheit und machen aus der Pflicht zur Evakuierungsübung einen integrierten Bestandteil des Gebäudemanagements.

3.1 Systematische Bewertung und Dokumentation der Übung

Nach jeder Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf brauchen Sie eine strukturierte Bewertung, die über ein Bauchgefühl hinausgeht. Halten Sie objektive Kennzahlen fest: Zeitpunkt der Alarmierung, Dauer bis zum Verlassen des Gebäudes, Zeit bis zur Vollständigkeitsmeldung am Sammelplatz und Zahl der anwesenden Personen. Diese Daten können Sie in einem standardisierten Protokoll erfassen, das Sie in einem revisionssicheren System wie einem DMS oder einem geschützten SharePoint-Bereich ablegen.

Die Bewertung sollte auch qualitative Aspekte berücksichtigen, etwa Rückmeldungen der Mitarbeiter zu Verständlichkeit der Alarmierung, Orientierung im Gebäude und Verhalten der Brandschutzhelfer. Nutzen Sie dafür kurze Online-Umfragen mit Tools wie Microsoft Forms oder LimeSurvey, die Sie direkt nach der Übung versenden, solange die Eindrücke frisch sind. So entsteht eine belastbare Grundlage für die Nachbesprechung und Auswertung, in der Sie konkrete Maßnahmen bis zur nächsten Übung definieren können.

Vergleichen Sie die Ergebnisse mehrerer Evakuierungsübungen über die Jahre hinweg, um Trends zu erkennen. Wenn sich die Räumungszeit verkürzt und weniger Mängel auftreten, zeigt das, dass Ihre Schulungen und organisatorischen Anpassungen wirken. Bleiben die gleichen Schwachstellen bestehen, sollten Sie gemeinsam mit dem Brandschutzbeauftragten und der Geschäftsführung prüfen, ob bauliche oder organisatorische Änderungen im Betrieb nötig sind.

3.2 Nachbesprechung, Mängelliste und Kommunikation

Die Nachbesprechung und Auswertung ist der Moment, in dem eine Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf vom Pflichttermin zur Lernchance wird. Laden Sie dazu die Schlüsselrollen ein: Brandschutzbeauftragter, Office Management, Sicherheitsdienst, Hausmeister, Betriebsrat und ausgewählte Brandschutzhelfer. In diesem Kreis können Sie offen über Probleme während der Evakuierung sprechen, ohne dass sich einzelne Mitarbeiter bloßgestellt fühlen.

Erstellen Sie eine Mängelliste mit klaren Verantwortlichkeiten, Fristen und Prioritäten, etwa nach dem Muster eines Maßnahmenplans aus dem Qualitätsmanagement. Typische Punkte sind blockierte Fluchtwege, unklare Sammelplatzkennzeichnung, fehlende Schulung neuer Mitarbeiter oder technische Störungen bei der Alarmierung. Dokumentieren Sie auch positive Beobachtungen, etwa besonders umsichtiges Verhalten von Räumungshelfern oder schnelle Reaktionen in bestimmten Bereichen des Gebäudes.

Kommunizieren Sie die wichtigsten Ergebnisse der Nachbesprechung transparent an alle Mitarbeiter, zum Beispiel über das Intranet, eine kurze E-Mail oder einen Aushang am schwarzen Brett. So zeigen Sie, dass die Evakuierungsübung nicht nur eine Übung für die Akte war, sondern konkrete Verbesserungen im Betrieb anstößt. Eine Räumungsübung, die niemand ernst nimmt, trainiert nur eines – im Ernstfall stehenzubleiben.

4. Praktische Tools, saisonale Besonderheiten und Integration in den Büroalltag

Damit eine Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf nicht jedes Jahr neu erfunden werden muss, lohnt sich ein klar strukturiertes Set an Vorlagen und Tools. Legen Sie einen digitalen Ordner an, in dem Sie Flucht- und Rettungspläne, Checklisten für die Planung und Durchführung, Protokollvorlagen und die letzte Bewertung der Übung ablegen. So können Sie in angemessenen Zeitabständen auf bewährte Dokumente zurückgreifen und müssen nur Details wie Ansprechpartner, Etagenbelegung oder neue Gebäudeteile aktualisieren.

Für die operative Steuerung eignen sich einfache Werkzeuge wie Excel für Teilnehmerlisten, Word für Protokolle und ein Ticketsystem wie Jira oder ServiceNow für die Nachverfolgung von Mängeln. In größeren Unternehmen kann eine spezialisierte BGM- oder HSE-Software sinnvoll sein, die Arbeitsstättenverordnung, DGUV Information und interne Richtlinien in einem System abbildet. Wichtig ist, dass alle Beteiligten wissen, wo die aktuellen Unterlagen liegen und wie sie während der Evakuierungsübung darauf zugreifen können, falls etwa ein alternativer Sammelplatz aktiviert werden muss.

Denken Sie bei der Planung im Herbst auch an saisonale Besonderheiten wie frühere Dunkelheit, nasse Wege und wechselnde Witterung. Prüfen Sie, ob Sammelplätze ausreichend beleuchtet sind, ob Wege nicht rutschig werden und ob gegebenenfalls reflektierende Westen für Räumungshelfer bereitliegen. So verbinden Sie die formale Pflicht zur Evakuierungsübung mit einem realistischen Blick auf die tatsächlichen Bedingungen vor Ort.

4.1 Menschliche Faktoren, Kommunikation und mentale Belastung

Eine Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf ist nicht nur eine technische, sondern vor allem eine menschliche Übung. Manche Mitarbeiter reagieren gestresst, weil sie Unterbrechungen im Arbeitsfluss als zusätzliche Belastung empfinden oder weil sie in der Vergangenheit negative Erfahrungen mit Notfällen gemacht haben. Office Manager sollten diese Aspekte ernst nehmen und die Übung sensibel kommunizieren, etwa mit einem kurzen Hinweis auf den Zweck der Evakuierung und die Bedeutung für den persönlichen Schutz.

In Zeiten hoher Tool-Dichte und permanenter Benachrichtigungen kann eine zusätzliche Sicherheitsunterweisung schnell als weiterer Stressfaktor wahrgenommen werden. Hier lohnt sich ein Blick auf Ansätze, wie sie in Analysen zur digitalen Erschöpfung im Büro beschrieben werden, etwa in diesem Beitrag über KI-Müdigkeit im Büro und überfordernde Tools. Übertragen auf die Evakuierungsübung bedeutet das: Weniger Tools, klarere Botschaften, eindeutige Rollen und eine Übung, die sich nahtlos in den Büroalltag einfügt.

Nutzen Sie die Nachbesprechung, um auch psychologische Aspekte anzusprechen, etwa Unsicherheiten beim Verlassen des Arbeitsplatzes oder Sorgen um vertrauliche Daten, die während der Evakuierung offen auf dem Bildschirm bleiben. Hier können klare Regeln helfen, etwa die Vorgabe, den Bildschirm zu sperren, aber keine Zeit mit dem Speichern aller Dokumente zu verlieren. Sicherheit geht vor Produktivität, und diese Priorität sollte in jeder Kommunikation rund um die Räumungsübung deutlich werden.

4.2 Integration in Compliance- und Arbeitsschutzsysteme

Langfristig wird eine Räumungsübung im Büro mit Pflicht und Ablauf dann stabil, wenn sie in das bestehende Compliance- und Arbeitsschutzsystem integriert ist. Verknüpfen Sie die Übung mit anderen Pflichtterminen wie Unterweisungen nach ArbSchG, Datenschutzschulungen zur DSGVO oder ergonomischen Checks nach der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV). So entsteht ein Jahreskalender, in dem die Evakuierungsübung im Herbst ein fester Baustein ist, statt ein lästiger Sondertermin.

Dokumentieren Sie im Compliance-Managementsystem, dass die Übung durchgeführt wurde, welche Personen teilgenommen haben und welche Maßnahmen aus der Bewertung abgeleitet wurden. Diese Nachweise können im Falle einer behördlichen Prüfung oder nach einem realen Brandereignis entscheidend sein, um zu zeigen, dass der Arbeitgeber seiner Pflicht nachgekommen ist. Office Manager werden damit zu zentralen Akteuren im Risikomanagement des Unternehmens, nicht nur zu Organisatoren von Büroabläufen.

Wenn Sie die Ergebnisse jeder Evakuierungsübung konsequent in Ihre Prozesse zurückspielen, entsteht ein lernendes System. Fluchtwege werden nicht nur auf Plänen, sondern im Alltag freigehalten, Sammelplätze sind bekannt und akzeptiert, und neue Mitarbeiter werden automatisch in die nächste Übung eingebunden. So wird aus der jährlichen Räumungsübung im Herbst ein verlässlicher Stresstest für Ihr Sicherheitskonzept – und ein sichtbares Zeichen gelebter Verantwortung.

FAQ zur Räumungsübung im Büro

Wie oft muss eine Räumungsübung im Büro durchgeführt werden?

Die ArbStättV und die ASR A2.3 verlangen Evakuierungsübungen in angemessenen Zeitabständen, ohne ein festes Intervall vorzugeben. Die DGUV Information 205-033 empfiehlt für Büros mindestens eine Übung pro Jahr, was sich in der Praxis bewährt hat. Office Manager sollten dieses jährliche Intervall als Standard ansetzen und bei besonderen Risiken oder größeren Umbauten zusätzliche Übungen planen.

Müssen alle Mitarbeiter an der Räumungsübung teilnehmen?

Grundsätzlich sollten alle anwesenden Personen im Gebäude an der Räumungsübung teilnehmen, inklusive Besucher und externe Dienstleister. Wer im Homeoffice, auf Dienstreise oder im Urlaub ist, kann natürlich nicht teilnehmen, sollte aber bei der nächsten Übung berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass neue Mitarbeiter zeitnah in das Räumungskonzept eingewiesen werden und wissen, wie sie sich im Ernstfall verhalten sollen.

Ist eine unangekündigte Räumungsübung rechtlich zulässig?

Unangekündigte Räumungsübungen sind rechtlich zulässig, solange sie verhältnismäßig sind und keine unzumutbaren Risiken verursachen, etwa bei medizinisch sensiblen Bereichen. Viele Unternehmen wählen einen Mittelweg, indem sie den Zeitraum ankündigen, den genauen Zeitpunkt aber offenlassen. So bleibt der Lerneffekt hoch, ohne den Betrieb unnötig zu belasten.

Welche Inhalte gehören in das Protokoll einer Räumungsübung?

Ein vollständiges Protokoll sollte Datum, Uhrzeit, Szenario, beteiligte Bereiche, Zahl der anwesenden Personen, Auslöseart der Alarmierung und die gemessenen Räumungszeiten enthalten. Ergänzend gehören festgestellte Mängel, besondere Vorkommnisse und die Namen der verantwortlichen Personen in die Dokumentation. Dieses Protokoll sollte revisionssicher abgelegt und bei der nächsten Übung als Vergleich herangezogen werden.

Wie viele Brandschutzhelfer braucht ein Büro?

Als Richtwert gelten mindestens fünf Prozent der Beschäftigten als ausgebildete Brandschutzhelfer, wie es in der Praxis und in den Empfehlungen der Fachverbände üblich ist. In Büros mit Schichtbetrieb, Teilzeitkräften oder hoher Fluktuation kann eine höhere Quote sinnvoll sein, damit immer genügend geschulte Personen anwesend sind. Office Manager sollten die Zahl der Brandschutzhelfer regelmäßig prüfen und Schulungen in angemessenen Abständen auffrischen lassen.

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